Sonntagsimpulse

Im Zeitraum in dem unsere Gemeindeveranstaltungen ruhen, wollen wir an dieser Stelle allen Mitgliedern und Freunden unserer Gemeinde sonntags einen kurzen Impuls geben.


Sonntag, 29 März 2020

Liebe Geschwister, lieber Freunde.

 
„Nicht nur die Angst ist ansteckend, sondern auch die Ruhe und die Freude, mit der wir dem jeweils Auferlegten begegnen.“

 

Dieses Zitat von Dietrich Bonhoeffer erreichte mich vor ein paar Tagen durch einen Kollegen per Email und setzte sich tief in mir fest.

 

Ein inneres „Amen dazu!“ breitete sich aus und es war fast so, als würde eine Last von meinen Schultern fallen. Eine Last, die sich aus der Angst zu versagen speiste, der Angst hilflos, ratlos, tatenlos dazustehen, überfordert und doch so gefordert zu sein. Es war nicht die Angst sich zu infizieren, sondern die Angst nicht zu reichen.

 

Ich habe mich also nicht mit dem Corona Virus angesteckt, aber ich habe mich von dem Zugzwang, dem Tatendrang, dem Zeitdruck, der Angst davor, „verloren“ zu gehen, angesteckt.

 

Vielleicht kennst du das Gefühl, einen Schritt hinterher zu hinken. Ob im Job, wenn die Kollegen*innen eine schnelle Lösung präsentieren können, im Bekanntenkreis, wo alle schon skypen können, nur ich nicht. Vor den leeren Regalen auf der Suche nach Klopapier oder bei Insta, wo die digitale Massenproduktion zu einem Wettstreit der Superlative ausufert.

 

Manchmal hat uns die Angst oder vorsichtiger ausgedrückt, die Verunsicherung, fest im Griff. Besonders dann, wenn viele Menschen verunsichert sind.

 

Die Angst, meinem Umfeld, meiner Arbeit, meiner Familie aufgrund meiner Persönlichkeit nicht gerecht werden zu können hat mich total gelähmt. Wo ist mein Platz in dieser aufgeregten Zeit? Welchen Nutzen, welchen Sinn erfülle ich, wenn meine eigentlichen Kompetenzen auf Eis gelegt werden? Wenn meine Begabungen plötzlich in ihrer gewohnten Form wirkungslos werden. Wenn meine Existenz erschüttert wird.

 

Ich kann nicht mehr sagen, ob diese Fragen meine Fragen waren oder sie zu meinen Fragen wurden. Aber sie waren ansteckend und verbreiteten sich. In mir. In der Gesellschaft. Auch bei dir? Die Angst hinter diesen Fragen war mir zunächst nicht bewusst. Aber sie war es, die den Zugang zu mir, zu meinem Umfeld und schließlich auch zu Gott versperrte.

 

„Nicht nur die Angst ist ansteckend, sondern auch die Ruhe und die Freude, mit der wir dem jeweils Auferlegten begegnen.“

 

Bonhoeffer sagt ja gar nicht, dass wir keine Angst haben dürfen. Er sagt auch nicht, dass es keinen Grund zur Angst gibt, wir uns das nur einbilden. Er verdeutlicht allerdings, dass Ruhe und Freude ebenso wirksam in unser Leben strahlen, wie es Ängste vermögen.

 

Diese Erinnerung, dieser Satz Bonhoeffers, hat mein Denken und mein Handeln unterbrochen und den Fokus auf die Ruhe gerichtet.

 

Ein Begriff, der uns beim Aufschlagen der Bibel begegnet und in unser Leben hinein wirken will.

 

In der Ruhe begegnet Gott Elia, als dieser am Boden zerstört sein Leben beenden will (1.Kö 19). In Prediger 4,6 heißt es: „Besser eine Hand voll Ruhe als beide Hände voll Mühe und Greifen nach Wind.“ Und Jesus selbst sagt: „Bei mir werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11,29).

 

Ruhe.

 

Für die einen ist sie in diesen Tagen unerreichbar. Für die anderen ist sie unerträglich. Manche gehören zu jenen, die den „Laden“ am laufen halten. Andere gehören zu jenen, die es nicht aushalten, ruhig gestellt zu sein und innerlich unruhig werden.

 

Wo stehst du? Was macht dich unruhig? Wo lässt du dich von deiner Angst anstecken?

 

Vielleicht geht es dir ein bisschen wie mir. So ganz zur Ruhe komme ich in diesen Tagen nicht.

 

Doch ich will es so oft es geht versuchen. Ich möchte zur Ruhe finden, in der mir Gott begegnet. Ich möchte ganz bewusst Zeit der Ruhe in meinen Alttag einbauen, um handlungsfähig zu bleiben. Ich vertraue Jesus all meine Nöte und Sorgen an und bete, dass meine Seele seine Liebe täglich spürt.

 

Der Sonntag ist eh schon für viele Christen dieser Welt ein Tag der Ruhe. Heute und in Zeiten der Unruhe ist ein solcher Ruhetag vielleicht noch bedeutender als in ruhigeren Zeiten.

 

Ich wünsche dir Gottes Frieden über den Unfrieden in deinem Herzen. Gesundheit für Leib und Seele. Ich wünsche dir Weisheit und Kraft durch den Heiligen Geist. Und ich wünsche dir die Gnade unseres Herrn Jesus Christus.

 

Sei gesegnet. Bleib behütet.

Herzlichen Gruß

Pastor Cornelius Herrmann


Sonntag, 22 März 2020

Liebe Freunde und Mitglieder der Baptisten-Gemeinden Rostock, Bad Doberan & Güstrow,

 

In Kolosser 2,3 lesen wir »In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.«

 

Weisheit und Erkenntnis. Nicht das beides zu irgendeiner Zeit nicht gefragt gewesen wäre, aber derzeit gibt es da einen ähnlich hohen Bedarf, wie nach dem „Schatz“ Toilettenpapier.

 

Gleichermaßen befinden wir uns alle in einer Mischung aus ungläubigen Staunen, Ratlosigkeit und Sorgen. Staunen darüber, dass so ein Szenario nicht nur in einem Film, sondern ganz real in unserem Alltag passiert. Ratlosigkeit wie lange dieser Ausnahmezustand noch anhalten wird. Und Sorgen darüber, was dies in unser Welt, unserem Land und auch bei uns ganz persönlich verändern wird. Kein Bereich ist davon unberührt und bei vielen haben sich auf einen Schlag Existenzängste eingestellt.

 

Dazu kommt, dass die normalen Verhaltensweisen in Krisensituationen außer Kraft gesetzt sind. Anders als in anderen schwierigen Umständen gibt es derzeit niemanden, der mit mehr Lebenserfahrung Gelassenheit vermitteln kann. Denn so etwas hat bei uns noch niemand erlebt. Zudem gehören gerade die Älteren zur Risikogruppe. Die Sorge, selbst betroffen zu sein und vielleicht nicht auf einen milden Verlauf hoffen zu können, macht einigen große Angst. Die Vorsicht gebietet unseren Familien jedoch trotzdem nicht enger zusammen zu rücken.

 

Auch die Gemeinschaft der Gemeinde ist derzeit nicht möglich. So fand in der letzten Woche, soweit ich denken kann, erstmalig ein Sonntag ohne Gottesdienst statt. Unsere Gemeinde ist am 13. März 99 Jahre alt geworden und zudem können wir uns über 30 Jahre Fertigstellung unseres Gemeindeanbaus freuen. In der geplanten Gemeindestunde wollten wir zudem mit viel Freude in die Zukunft schauen. So wollte die Architektin die Pläne für ein möglichen Umbau der Gemeinderäumlichkeiten vorstellen.

 

In diese verrückte Situation nun dieser Vers aus Kolosser 2,3: »In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.« Es lohnt sich oft weiterzulesen. Der Brief des Paulus an die Kolosser spricht auch in unsere Zeit, macht deutlich worin dieser Schatz in Christus liegt und kann uns so ermutigen. »Denn wenn ich auch nicht persönlich unter euch bin, bin ich es doch mit meinen Gedanken. (…) Es ist doch Christus, in dem die ganze Fülle von Gottes Wesen in leiblicher Gestalt wohnt. Und ihr habt an dieser Fülle teil, weil ihr mit Christus verbunden seid – mit ihm, der das Oberhaupt aller Mächte und Gewalten ist. Er sorgt dafür, dass der ganze Leib – gestützt und zusammengehalten durch die verschiedenen Gelenke und Bänder – so wächst, wie Gott es möchte. (…) Geschwister, ihr seid von Gott erwählt, ihr gehört zu seinem heiligen Volk, ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld. (…) Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt. Der Frieden, der von Christus kommt, regiere euer Herz und alles, was ihr tut!«

 

Diesem Gebet von Johannes Hartl (Gebetshaus Augsburg) schließen wir uns gern an:

»Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung. Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.

Bitte tröste jene, die jetzt trauern.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie. Allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.

Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.

Wir beten für alle, die in Panik sind. Alle, die von Angst überwältigt sind. Um Frieden inmitten des Sturms, um klare Sicht.

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen, niemanden umarmen können. Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.

Und ja, wir beten, dass diese Epidemie abschwillt, dass die Zahlen zurückgehen, dass Normalität wieder einkehren kann.

Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit. Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist. Dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können. Dass Du allein ewig bist. Dass im Leben so vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt.

Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.

Wir vertrauen Dir. Danke. Amen.«

 

Wir als Rostocker Gemeindeälteste wünschen euch allen Gottes Frieden und bei allem ungläubigen Staunen, Ratlosigkeit und Sorgen den tröstenden Blick auf Christus. Ihm ist Kummer nicht fremd und vor allem nicht egal.

 

Solltet ihr praktische Hilfe benötigen, kontaktiert bitte unsere Gemeindediakonin Esther Köpke | (Telefon: 0177 / 269 68 08). Auch Hilfsangebote, z.B. für Geschwister die nicht selbst einkaufen gehen können, nimmt sie gern entgegen.

 

Auf unserer Internetseite unter www.baptisten-rostock.de haben wir für euch Möglichkeiten von zu Hause aus Gottesdienste mitzuerleben oder nachzuhören sowie weitere Inspirationen zusammen getragen (Link). Schaut unbedingt einmal rein! Es gibt wahnsinnig tolle Formate.

 

Und vor allem bleibt gesund und nehmt bei Bedarf Hilfe gern in Anspruch!

 

Eure Gemeindeältesten

Christoph, Michael & Thomas


Sonntag 15. März 2020

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Liebe Freunde und Mitglieder der Baptisten-Gemeinde Rostock!

 

Wir erleben eine herausfordernde Zeit, die zu drastische Maßnahmen aus allen Bereichen unserer Gesellschaft führt. Es sind Maßnahmen der Politik, der Wirtschaft und auch der Kirchen unseres Landes. Fachleute weisen auf eine akute Gefahrenlage hin, vor der auch wir uns als Gemeinde nicht verschließen konnten. Mit der Absage unsere Gemeindeveranstaltungen inklusive unserer Gottesdienste kommen wir der Bitte aus der Verwaltung und Politik bzw. der Forderung von Fachleuten nach, reale soziale Kontakte auf absolut notwendige zu reduzieren.

 

Wir bitten euch um Verständnis um diese drastische und bisher wohl einmalige „Ganz oder gar nicht“ Entscheidung, die wir als Älteste unserer Gemeinde treffen mussten. Unser Verzicht auf Gemeinschaft in unseren Gemeinderäumen ist Ausdruck unserer Solidarität mit den besonders gefährdeten Personengruppen und unser Beitrag zur Entlastung der im Gesundheitssystem arbeitenden Menschen. Der Verzicht auf Gemeindeveranstaltung ist sicher keine vorübergehende Niederlegung unserer Gemeindearbeit. Entsprechend der aktuellen Gefahrenlage kommen wir in kleinen Kreisen zusammen, hier und da werden sicher urbiblische Hausgottesdienste gefeiert. Wir verlieren uns nicht aus den Augen, sondern halten Kontakt, zumindest über Telefon, Smartphone oder das Internet. Wir fragen nach, wo jemand Hilfe benötigt, ein ermutigendes Wort oder ein Gebet. Und vielleicht schafft der Freiraum, den wir nun haben, Möglichkeiten einer neuen tiefgehenden Hinwendung zu unserem Herrn Jesus Christus oder lässt uns vielleicht auch ganz neu den Wert unserer Gemeinde erleben. Vielleicht führt uns die Zeit, die wir nun häufiger eher allein verbringen, auch ins Träumen: Was könnte alles möglich sein in meinem Leben oder auch in und mit unserer Gemeinde.

 

Die Bibel ist voll von Träumern: Josef träume davon, wie ein Ausschnitt seiner Zukunft aussehen wird, der Traum von Paulus motivierte ihn auf den europäischen Kontinent zu reisen und Johannes Träume in der Offenbarung sind uns heute harte Kost und eine echte Herausforderung an unser Verständnis. Und mittendrinn gibt es dann noch Sacharja, der von Gott inspiriert in die Zukunft blickt, nachzulesen in der Bibel zum Beispiel in Sacharja 2, 5-9: Und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, ein Mann hatte eine Messschnur in der Hand. Und ich sprach: Wo gehst du hin? Er sprach zu mir: Jerusalem auszumessen und zu sehen, wie lang und breit es werden soll. Und siehe, der Engel, der mit mir redete, ging hinaus, und ein anderer Engel kam ihm entgegen und sprach zu ihm: Lauf hin und sage diesem jungen Mann: Jerusalem soll ohne Mauern bleiben wegen der Menge der Menschen und des Viehs, die darin sein werden. Und ich selbst will, spricht der HERR, eine feurige Mauer rings um sie her sein und will mich herrlich darin erweisen. (Lutherbibel 2017)

 

Was für eine großartige Vision für das Zusammenleben in der Stadt Gottes: Eine Stadt, die keine Schutzmauern, keine Abgrenzung braucht, weil Gott selbst auf die Menschen, die hier zusammenleben, achthat. Eine Stadt, die keine Eingrenzung braucht, weil immer mehr Menschen dazu kommen. Hier ist eine Stadt im Entstehen, die unsere menschlichen Vorstellungen und Maßstäbe übersteigt. Hier entsteht eine Stadt nach Gottes Möglichkeiten und Maßstäben und in diesem Rahmen kommen immer mehr Menschen zusammen um Leben miteinander zu teilen. Aber vielleicht sieht Sacharja hier auch eine Stadt, die jedwede Messschnüre außenvor lässt, Messschüre mit denen wir einander vermessen und bewerten, und sieht ein Miteinander, wo es Rivalität, Neid und Demütigendes nicht mehr gibt. Und vielleicht sieht Sacharja hier auch eine Stadt, die jedweden Mauerbau auch innerhalb unterlässt, Mauern die abgrenzen und ausgrenzen, und sieht eine Gemeinschaft, wo miteinander Respekt und Wertschätzung

auch bei aller Andersartigkeit gelebt wird.

 

Liebe Geschwister, vielleicht träumen auch wir von einer solchen Gemeinde in Rostock, weil wir uns vielleicht selbst danach sehnen in einer solchen Stadt unser Leben gestalten zu können und weil wir es uns wünschen, dass noch viele Menschen dazu kommen. Und wenn Jesus sagt, „sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lukas 17, 21) dann darf das hier und jetzt unter uns schon spürbar sein. Vielleicht stehen wir hierin noch ganz am Anfang, vielleicht siehst du noch eher, wo Menschen Mauern bauen oder Menschen eher wegbleiben. Vielleicht packt es dich aber diese Vision in deiner Gemeinde Wirklichkeit werden zu lassen. Dann möge dir Gott dazu Geduld und Liebe und ein Aufbrechen schenken! Apropos Aufbrechen, unsere aktuelle Predigtreihe handelt von Nehemia, der wenige Jahre nach diesem Traum von Sacharja in Jerusalem eine Mauer baut. Ups!

 

Und vielleicht habt ihr Lust darüber noch ein wenig nachzudenken, dann findet ihr zu diesem Sonntagsimpuls noch ein Impulsblatt mit ein paar Fragen.